#41 - Keine Lust auf Frust
Morgen ist immer ein neuer Tag
Eigentlich war mein Plan ja, am 31. Juli wieder österreichischen Boden unter den Füßen zu haben. Am 86. Tag meiner Reise wollte ich wieder zu Hause sein. Dann entschied ich mich zu verlängern und nun scheint mir auf den letzten Metern die Luft auszugehen.
Obwohl die zweitägige Wanderung in den Picos de Europa ein absolutes Highlight war (und ist), war diese wohl doch zu anstrengend. 20 Kilometer, 1400 Höhenmeter und ein recht anspruchsvolles Vorankommen mit vielen Klettereinheiten, weil dann doch noch zu viel Schnee lag. Und beim Abstieg dann auch noch dummerweise gestürzt und die Schürfwunde am Knie ist jetzt nicht allzu prickelnd.
Gestern Morgen ging es mir noch gut, ich hab mich auf den Tag gefreut, auf das Weiterfahren und einen neuen Ort. Doch dann ist mir mittags mein Kreislauf abhanden gekommen, mein ganzer Körper ist ein einziger Schmerz, ich bin sehr sehr müde und kann mich nicht entscheiden, ob die Essensaufnahme sinnvoll war oder nicht.
Die Nacht war zerpflückt von Wachphasen, denn bei jeder Bewegung meines Knies reißt die Kruste auf und schickt schmerzhafte Wellen durch meinen Körper. Wäre wohl alles halb so schlimm, wenn man nicht gerade auf einer Holzpritsche im Auto schlafen würde.
Aber ich habe mir das selbst ausgesucht und die letzte 85 Tage waren ja einfach nur großartig.
Ich glaube, das ist nicht meine Woche
Nachdem ich dann gestern kreislaufbedingt ausgeknockt war, blieb auch die Arbeit liegen. Mails unbeantwortet, Rückmeldungen von mir ausständig und Entscheidungen nicht gefällt. Da wollte ich mich also heute Morgen hinsetzen und loslegen und dann lässt mich das Internet hängen. Denn, obwohl ich mich in Spanien befinde, bin ich zu nahe an Frankreich dran und naja, das französische Mobilnetz scheint recht dominant zu sein. Denn mein Datenstick, der mit einer 20 Gigabyte Datenkarte gefüttert ist, kann sich nicht verbinden. Somit geht wieder wertvolle Zeit verloren. Es soll wohl nicht sein und ich hebe den Blick himmelwärts und frage still in mich hinein: Liebes Universum, was möchtest Du mir denn mitteilen?
Es ist halt nicht immer Glitzer und Ponyhof
So ein Digitalnomadendasein ist – meine Meinung – zu gut 95 Prozent eine leichte Übung. Wenn man es in der Art und Weise lebt wie ich. Sprich das Zuhause vier Räder hat und man ständig in Bewegung ist. Wenn alles auf das Wesentliche reduziert ist und die geographischen Wechsel häufig sind. Aber es ist nicht immer alles rosig. Da gibt es Campingplätze, die einfach eine Enttäuschung sind. Die preislich einem fünf Sterne Hotel ähneln, aber Ausstattung und Angebot einer indischen Toilette nahe kommen. Weitere Durststrecken sind der oftmals schlechte Zugang zu Internet beziehungsweiser einer vernünftigen Verbindung. Es sind die teils langen Wege zu einem Supermarkt und wenn am Wochenende eine 15-köpfige spanische Familie neben dir am Stellplatz einzieht.
Aber dann gibt es diese kleinen Überraschungen, die zumeist zwischenmenschlich sind.
Der aufmerksame Security-Mensch, dem auffällt, wenn man eine Nacht nicht am Campingplatz war (weil in den Bergen) und er sich dann besorgt erkundigt – auf Spanisch. Oder wenn du abends während des Regengusses arbeitend im Café am Campingplatz sitzt, zwei Stunden an einer Tasse Tee schlürfst und dir plötzlich eine Gruß aus der Küche serviert wird, du diesen aber ablehnen musst, weil nicht vegan. Es ist das freundliche Lächeln der anderen Camper und jene Momente, wo sich die Menschen, wenn sie an meinem „Lager“ vorbeigehen noch zwei, drei Mal umdrehen, weil sie nicht ganz ausmachen können, was ich da mache. Hier versuche ich manchmal die Blicke zu deuten. Aus meinen Beobachtungen gibt es zwei Varianten: aus der ersten kann ich Mitleid ableiten und aus der zweiten ist es Bewunderung teilweise vielleicht auch Neid, weil ich meine Freiheit habe.
Ich muss gestehen: diese verhaltenen Lächeln und Blicke amüsieren mich.